Vier Tage waren wir im Cirque de Mafate unterwegs. Auf einer Insel, die von Autos nur so überflutet wird, ist dieser Talkessel eine Oase der Ruhe. Es gibt hier keine Straßen und somit auch keine Autos. Der einzige Motorenlärm kommt von den Hubschraubern, die die ca. 1000 Einwohner des Cirques versorgen. Ansonsten waren wir umgeben von oft unberührter Natur, atemberaubenden Berghängen und – glücklicherweise – Sonne und strahlend blauem Himmel. Wir wanderten, haben in klaren Gebirgsbächen gebadet und jeden Abend am Lagerfeuer gekocht. Dank Alex, dem einzigen Reunionesen, der dabei war, haben wir wunderschöne Orte zum Übernachten gefunden.
Gestartet sind wir in La Possession, an der West-Küste. Ein Geländewagen brachte uns das erste Stück das Flusstal der Rivière de Galets hinauf. Und nach unzähligen Flussüberquerungen und den ersten steilen Anstiegen erreichten wir Grand Place: ein kleines Örtchen, bestehend aus einem Kiosk, einer Wanderhütte, ein paar Häusern und einer kleinen Schule, vor der wir unsere Zelte aufschlugen. Den nächsten Abend verbrachten wir in Ilet à Bourse, einem ähnlich idyllisch verschlafenen Fleckchen (mit Schule, Kiosk und Platz zum Zelten). Und in der dritten Nacht zelteten wir auf einer Lichtung auf einem kleinen Plateau, dem Plateau de la Sale, hoch über dem Cirque, umgeben von Tamarindenbäumen und dichtem Unterholz.
Fast könnte man die Menschen in Mafate beneiden. Sie sind die einzigen, die per Gesetz im Cirque wohnen dürfen, denn als Mafaté wird man geboren. Oft leben sie ein einfaches Leben. In Ilet à Bourse konnten wir die Dorfbewohner beim Ausbessern des Sportplatzes mit Schaufeln und Hacken vor der Schule beobachten. Gegen Mittag brachten die Frauen ihnen das Essen vorbei. Was so ursprünglich und unkompliziert erscheinen mag, hat auch seine Kehrseiten. Wer in Mafate lebt, hat oft nur die Möglichkeit einen Kiosk oder eine Gite zu betreiben, seine Familie von Landwirtschaft zu ernähren, in einer der Grundschulen zu lehren oder als „Landschaftsgärtner“ die Wege des Cirques in Stand zu halten. Wenn man bedenkt, dass La Réunion ein französisches Département ist, sind das ziemlich begrenzte Möglichkeiten. Die Regel, das nur in Mafate wohnen darf, wer hier auch geboren wurde, führt langfristig außerdem dazu, dass die Mafaté aussterben. Von 10000 Einwohnern vor 100 Jahren blieben noch 1000 übrig. Viele haben den Cirque verlassen.
Für uns waren es dennoch 4 tolle Tage und 3 traumhafte Nächte unter dem klaren Sternenhimmel von Mafate – dem Ruhepunkt dieser oft so hektischen Insel.








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